Rückblick

Pfingstmanntag: Männer leben Glauben

Biblische Männer Jona, Josef und David bieten Richtschnur

Vechta, Stapelfeld, 25.5. Sie sprachen über Kirche, Frauen und Personalführung, über Sexualität, Vatersein und Gleichbehandlung von Kindern. Die Themen beim traditionellen Pfingstmanntag gingen gleichermaßen in Breite und Tiefe. Am Montag folgten wieder rund 40 Männer aus dem Offizialatsbezirk und aus dem Bistum Osnabrück der Einladung des Bischöflich Münsterschen Offizialates (BMO) und der der Kath. Akademie Stapelfeld. In diesem Jahr standen biblische Männerbilder und ihre Begabungen im Mittelpunkt. In inhaltlichen Workshops vertieften die Männer ihre persönlichen Anliegen, Wünsche und Befürchtungen und die Frage, was Mann so drauf hat und wie man Mann sein möchte.
Zum Auftakt stellte Stephan Trillmich die biblische Figur Jona vor. Der Bote, der in die sündige Stadt Ninive gesandt wurde, um dort Gottes Warnung zu überbringen, stattdessen das Weite suchte und schließlich im Maul eines großen Fisches zurück und auf den rechten Weg gebracht wurde. Trillmich machte deutlich, dass ihn „das Leben der biblischen Männer dazu animiert, sein eigenes Leben zu hinterfragen“. Dem Referenten für Männerseelsorge im BMO folgten Heinrich Dickerhoff, Pädagogischer Leiter der Akademie, und Ludger Abeln, Ehe- Familie- und Lebensberater. Statt theologischer Vorträge verknüpften sie die Geschichte biblischer Figuren mit der eigenen Biographie.
So suchte Dickerhoff das positive Bild von Josef dem Zimmermann, dem Ziehvater Jesu, aus.  Die Teilnehmer hörten davon, dass Josef sich seiner Würde als Königssohn  bewusst gewesen sei und so keine Erniedrigung darin sah, als Eseltreiber zu fungieren. Für Dickerhoff ist Josef einer der wenigen biblischen Männer, über den nichts von einem Versagen seiner väterlichen Aufgabe geschrieben stünde. Ludger Abeln ließ sich in seiner Biographie als jüngster von vier Söhnen früh vom Bild Davids begeistern. Mit einer Steinschleuder in der Hand berichtete der Leiter der Lebensberatungsstelle Brake über Davids Bilderbuchkarriere, sie begann als schmächtiger Jüngling, der mit List statt Kraft Goliath bezwang. Abeln zeigte sich fasziniert davon, dass David später ein mächtiger Mann gewesen sei, der aber das Gefühl nicht vergessen und so mit Herz und Verstand gewirkt habe. In drei Gesprächsrunden wurden anschließend die Impulse auf den Alltag der Teilnehmer übertragen. So wurde in einer Gruppe lange über das Bild Josefs diskutiert, der häufig als Greis dargestellt werde, vielmehr aber ein kräftiger junger Sohn einer Königsfamilie gewesen sei. Eine zweite Gruppe verknüpfte das Wirken Jonas mit dem Alltag zwischen Chef und Mitarbeiter.
Am Nachmittag vertieften die Teilnehmer in fünf Workshops die Auseinandersetzung mit ihrem Mannsein. Über die Frage, ob Macht etwas Böses sei, sprachen sie unter Anleitung von Heinrich Dickerhoff beim traditionellen Schwertkampf. Wie schwierig es sein kann, in Stille zu sein, erlebten die Männer bei Benediktinerbruder Christian aus Damme, der mit ihnen das Ruhe-Gebet einübte. Alexander Rolfes, Referent an der Akademie Stapelfeld, versuchte in seinem Workshop mit den Regeln des Improvisationstheaters Männer aus dem sicheren Bereich des Planbaren herauszuholen und aufzuzeigen, wie man die Regeln des Theaters auf den Alltag übertragen kann. Musikalisch wurde es bei Diözesanmännerseelsorger im Bistum Osnabrück, Diakon Helmut Heitz. Dieser erarbeitete mit seiner Gitarre den Charakter des Heiligen Geistes. Ludger Abeln stellte fest, dass Männer Gefühle haben und übte mit ihnen, über Angst, Wut, Freude und Trauer ins Gespräch zu kommen. Auf den richtigen Ton kam es Regionalkantor Stefan Decker an, dieser half den Männern, die Verbindung zwischen Sprache und Gehör, zwischen Gehörtem und Gesprochenem zu entdecken.
In einem anschließenden Gottesdienst bündelten die Männer das Erlebte. Viele kündigten bereits an, wieder zu kommen. „Für mich wird der Pfingstmanntag künftig zu einer jährlichen Herausforderung,“ freute sich ein junger Vater aus Bühren über die inhaltlichen Auseinandersetzungen.  


Johannes Hörnemann